Schülerinnen und Schüler des JVG stellen die Ergebnisse ihrer Polen-Fahrt vor

Im Oktober 2025 unternahm die Jahrgangsstufe 2 eine einwöchige Studienfahrt nach Polen, bei der gemeinsames Reisen mit historisch-politischer Bildung verbunden wurde. Mit dem Reisebus startete die Gruppe am Johann‑Vanotti‑Gymnasium in Ehingen und erreichte nach einer Nachtfahrt die alte Königsstadt Krakau, die für einige Tage zum Ausgangspunkt vielfältiger Exkursionen wurde. Nach der Ankunft lernte die Gruppe Krakau zunächst auf eigene Faust und später bei einem geführten Stadtrundgang kennen. Die Schülerinnen und Schüler erhielten so einen ersten Eindruck von der kulturellen Bedeutung der Stadt, ihren historischen Schichten und dem Status als moderne Metropole. Ein weiterer Programmpunkt führte die Jahrgangsstufe in die Tatra nach Zakopane, wo die polnische Bergwelt und regionale Traditionen im Mittelpunkt standen. 

Den inhaltlichen Kern der Studienfahrt bildete der Besuch der ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz I und Auschwitz‑Birkenau, die heute als Mahn- und Gedenkstätten an die Verbrechen des Nationalsozialismus erinnern. Vor Baracken, Stacheldrahtzäunen, den Resten von Gaskammern und Verbrennungsanlagen wurde deutlich, wie systematisch und industrialisiert der Massenmord an Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, politischen Gegnern und anderen Verfolgten organisiert war und welche zentrale Rolle diese Orte im Rahmen des Zweiten Weltkriegs spielten.

Auschwitz steht in der Erinnerungskultur symbolisch für die Schrecken des von Deutschland ausgelösten Zweiten Weltkriegs, der Millionen Menschenleben forderte und Europa politisch wie moralisch erschütterte. Die Auseinandersetzung mit diesem Ort machte der Jahrgangsstufe bewusst, dass hinter jeder Zahl der Opfer individuelle Lebensgeschichten stehen und dass die historische Verantwortung auch für die heutige Generation von großer Bedeutung bleibt. Ergänzt wurde dieser Schwerpunkt durch eine Begegnung mit einer Zeitzeugin, die als Kleinkind von ihren Eltern vor der Deportation in einem Kloster versteckt und dann unter falscher Identität von einer polnischen Familie adoptiert worden war.

Ein weiterer Tag war der Schindler‑Emailwarenfabrik gewidmet, die heute als Museum die deutsche Besatzungszeit in Krakau dokumentiert. Anhand von Ausstellungsstücken, Dokumenten und medial aufbereiteten Szenen konnte die Gruppe nachvollziehen, wie sich das Leben der Bevölkerung unter Besatzung veränderte und welche Handlungsspielräume, aber auch Grenzen es für Hilfe und Widerstand gab.

Die Perspektive auf Polens Geschichte blieb jedoch nicht auf die Zeit des Nationalsozialismus beschränkt, sondern wurde durch weitere Epochen ergänzt. Abgerundet wurde die Fahrt durch einen gemeinsamen Abend mit Drei‑Gänge‑Menü und Klezmer‑Konzert, bei dem jüdische Musik und Kultur erfahrbar wurden und einen emotionalen Kontrapunkt zu den schweren Themen der Tage setzten. In dieser Mischung aus kulturellen Eindrücken, historischer Vertiefung und gemeinschaftlichen Erlebnissen gewann die Jahrgangsstufe einen vielschichtigen Blick auf Polen als Land zwischen Tradition, Kriegserfahrung, Unterdrückung und demokratischer Erneuerung.

Nach der Rückkehr an die Schule wurden die vielfältigen Eindrücke in einem Plakatprojekt aufgegriffen, das sich nicht nur mit Auschwitz und den Schrecken des Zweiten Weltkriegs, sondern auch mit 1848, der Zwischenkriegszeit, der Solidarność‑Bewegung und anderen Phasen der polnischen Geschichte beschäftigt. So ist im Schulhaus ein Lernweg entstanden, an dem Mitschülerinnen und Mitschüler beim Vorbeigehen sehen können, wie eng Polens Geschichte mit Freiheitskämpfen, politischer Unterdrückung, nationalsozialistischen Verbrechen und demokratischen Bewegungen verknüpft ist – und welche Bedeutung diese Vergangenheit für Gegenwart und Zukunft hat. Das Projekt wurde durch die Sanddorf-Stiftung finanziell gefördert.